On my Way to the Stars


Soll der Bundespräsident gnädig sein oder nicht?
Sonntag, 6. Mai 2007, 1:05
Filed under: Gedanken

Nur noch selten wird heute das Wort Gnade im Alltag verwendet, scheint es doch kaum angewendet zu werden, klingt es doch altmodisch und wird meist nur noch in biblischen Texten und Formeln verwendet, z. B. in der Formel „Der Segen, der Friede und die Gnade Gottes sei mit euch.“

Doch seid einigen Wochen tauchen Worte wie Gnadengesuch, Begnadigung und eben Gnade verstärkt in den Medien und in der allgemeinen Diskussion auf. ‚Schuld‘ daran ist das Gnadengesuch des RAF-Terroristen und Mörders Christian Klar an den deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler. In diesem Zuge ist ein riesiges Medienspektakel entstanden in dem der genaue Diskussionsgegenstand ständig variiert. Einmal geht es um die umstrittenen Worte Klars an die Rosa-Luxemburg-Konferenz, dann um die Frage ob Klar wirklich auf den Generalbundesanwalt Buback geschossen habe, dann wird diskutiert ob Klar seine Taten bereue und zu guter Letzt wie Bundespräsident Köhler mit dem Gnadengesuch am besten umzugehen habe.

Gerade in den letzten Tagen gerät unser Staatsoberhaupt immer mehr unter Druck. Besonders die Politiker, allen voran mal wieder Edmund Stoiber (CSU), müssen ihre Meinung lautstark Kund tuen. „Ich bin sehr skeptisch, ob hier wirklich die Voraussetzungen für Gnade vor Recht gegeben sind“ sagte der (noch) bayrische Ministerpräsident und meint weiter zu Köhlers Besuch bei Klar, dass die Bevölkerung Köhlers angebliche Sorge um Klar nicht verstehe. (Toll, wie Politiker ener nur in eine Bundesland existierenden Partei glauben für alle Bürger sprechen zu können.) CSU-Generalsekretär Markus Söder spricht davon, dass ein Gnadenerweis gegenüber Klar undenkbar sei und eine Entscheidung Köhlers für eine Begnadigung eine „schwere Hypothek“ für die Wiederwahl des Bundespräsidenten darstelle. Wenn das keine Drohung ist!

Doch was bedeutet eigentlich das Wort ‚Gnade‘. Gehen wir einmal ein Stück zurück in die Geschichte und versuchen die ganze Sache ein wenig zu erhellen. Wie schon Eingangs erwähnt ist das Wort Gnade stark mit dem christlichen Glauben, aber auch mit der dem Staat und dem Herrscher eines solchen verbunden. Nicht um Sonst heißt es: „Der Segen, der Friede und die Gnade Gottes sei mit euch.“ Denn Gnade war und ist (eigentlich) immer ein unerwartetes, unverdientes und nicht einklagbares Geschenk einer höheren, unangreifbaren und mächtigeren Instanz, egal ob diese ein Gott ein Kaiser oder eben ein Bundespräsident ist. Ihre Vergabe hängt nur von dieser einen Instanz ab, es gibt keine Regeln für die Vergabe und nachvollziehbar ist die Entscheidung auch nicht. Sie ist einfach ein Geschenk des Himmels bzw. einer Instanz die über den Dingen steht, die das seltene Recht hat ‚Gnade vor Recht‘ ergehen zu lassen.

Durch die Erfahrung von Gnade soll der Begnadigte, wenn möglich, seine Tat bereuen, sich zum Besseren entwickeln, zu der gnädigen Macht eine positive, dankbare Beziehung aufbauen. Er muss es aber auch nicht. Gnade setzt nicht Reue voraus, sondern sie will Verfahrenes aufbrechen. Gnädig zu sein ist ein Zeichen von Stärke aber auch Liebe zum Menschen im Allgemeinen.

Leute die sich auf biegen und brechen gegen eine Begnadigung von Klar ausbrechen, müssen sich fragen: Was für eine Art von Staat soll die BRD sein? Ein Staat der all seiner Bürger Wohlwollen entgegen bringt und mit Größe, Stärke und auch Milde handelt? Oder einen Staat der alles Gute und Böse penibel gegeneinander abwägt, nachtragen bis ins Letzte ist, der ohne Herz sondern nur in schwarz auf weiß zu seinen Bürgern spricht, sie nur als Dinge nicht als Wesen behandelt? Nicht, dass ich auch dafür bin, dass Verbrechen verfolgt und bestraft werden. Doch manchmal bewirkt einsperren, meiner Meinung nach nur, dass die Verbrecher sich in ihrer negativen Einstellung zum Staat bestätigt sehn.

Letztendlich liegt die Entscheidung nur beim Bundespräsident und egal wie sehr Politiker und Bürger wettern bzw. zu beeinflussen versuchen. Es ist seine Entscheidung und er muss sie nicht begründen, denn er allein hat nach dem Artikel 60 Absatz 2 des Grundgesetztes das Recht dazu, nicht wir. Und dass Horst Köhler es sich nicht leicht mit seiner Entscheidung macht, sehen wir daran, dass er sich selbst ein Bild machen will und Klar besuchte. Bei der Diskussion die über das Thema geführt wird, ist es für mich auch kein Wunder, dass er diesen Schritt öffentlich mitteilte, da muss sich Herr Stoiber gar nicht so aufregen. Ein Politiker dessen Partei das Christentum sogar im Namen trägt, sollte bei solchen Debatten ruhig einmal öfter zur Bibel und den christlichen Werten greifen und diese nicht nur heraufbeschwören wenn es um Familie, Erziehung und ‚deutsche Leitkultur‘ geht.

Also lassen wir doch einfach den höchsten Mann im Staate entscheiden und hoffen wir, dass falls Christian Klar begnadigt werden sollte, dass er sich des Geschenkes bewusst wird und durch sein Leben außerhalb der Gefängnismauern, die Mauern im eigenen Kopf niederreißen kann und erkennt: Eigentlich ist es ganz schön in der Bundesrepublik Deutschland zu leben.

Auf eure konstruktive und ehrliche Meinung freut sich

Eure KateNightSky

P.S.: Mehr zum Thema Gnade gibt es z. B. hier.

Gott

Karl der Große nach Dürer Horst Köhler hat eine schwierige Entscheiung vor sich

Sie alle haben oder hatten das Recht zu begnadigen.


1 Kommentar so far
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[…] RAF-Terrorist und Mörder Christian Klar bleibt im Bau. Ok Herr Bundespräsident, war ja wie schon gesagt ihre Entscheidung. Man kann es ja eh nie allen Recht machen. Nach den bösartigen Zungen im […]

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